Über dieses Projekt

Warum es diese Seite gibt

Machtmissbrauch in der Wissenschaft ist kein Ausnahmefall, sondern ein strukturell begünstigtes Phänomen. Er betrifft Universitäten ebenso wie Hochschulen für angewandte Wissenschaften, Kunst- und Musikhochschulen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen.

Das deutsche Wissenschaftssystem bündelt ungewöhnlich viel Macht in einzelnen Personen: Betreuung, Bewertung, Vertragsverlängerung und Karriereurteile liegen oft bei ein und derselben Professorin oder demselben Professor. Befristete Verträge nach dem Wissenschaftszeitvertragsgesetz verstärken diese Abhängigkeit. Wer sich wehrt, riskiert nicht nur eine Stelle, sondern einen Berufsweg.

Besonders gefährdet sind Menschen, bei denen weitere Ungleichheiten hinzukommen — etwa Frauen of Color, queere und nicht binäre Wissenschaftler*innen, Menschen mit chronischen Erkrankungen oder Angehörige ethnischer oder religiöser Minderheiten. Wer über Machtmissbrauch spricht, muss deshalb auch über Diskriminierung sprechen.

Erste politische und institutionelle Maßnahmen gibt es erst, seit Studien das Problem messbar gemacht haben. Dass Betroffene seit Langem davon berichten, hat offenbar nicht genügt. Diese Studien beziehen sich aber jeweils auf eine Stadt, eine Hochschule oder eine Organisation. Eine bundesweite Übersicht gibt es nicht.

Gleichzeitig werden Fälle von Machtmissbrauch kaum gemeldet, aus Angst vor Konsequenzen, weil Schutzkonzepte fehlen oder weil Beschwerdeverfahren meist innerhalb derselben Einrichtung laufen, der auch die beschuldigte Person angehört. Und das Ausbleiben von Meldungen wird dann als Beleg dafür gelesen, dass es das Problem kaum gibt.

Diese Seite setzt genau dort an. Sie bietet einen Ort außerhalb der eigenen Institution, an dem Erfahrungen gezählt werden, ohne dass Name, Hochschule oder eine Schilderung erfasst werden.

Die Meldungsübersicht hat das Ziel, Machtmissbrauch an Hochschulen als strukturelles Problem sichtbar zu machen. Damit soll Druck auf die Hochschulen und die jeweiligen Landesregierungen aufgebaut werden, um Maßnahmen zum Schutz gegen Machtmissbrauch zu entwickeln.

Wer hier melden kann

Alle, die im Wissenschaftssystem tätig sind oder waren — unabhängig von Status und Vertragsform: Studierende und studentische Beschäftigte, Promovierende, ob angestellt, mit Stipendium oder extern, wissenschaftliche Mitarbeiter*innen und Postdocs, Lehrbeauftragte, Professor*innen und Juniorprofessor*innen sowie Beschäftigte in Technik und Verwaltung.

Auch Professor*innen erleben Machtmissbrauch — durch Leitungsebenen, in Berufungsverfahren oder unter Kolleg*innen. Machtmissbrauch wirkt nicht nur von oben nach unten.

Gemeldet werden können eigene Erfahrungen ebenso wie beobachtete. Zeug*innen sind oft die Ersten, die etwas benennen können.

Wie die Daten erhoben werden

Das Meldeformular ist bewusst so knapp wie möglich gehalten. Erhoben werden ausschließlich:

  • ob Sie den Machtmissbrauch selbst erlebt oder beobachtet haben
  • die Form oder die Formen des Machtmissbrauchs, ausgewählt aus festen Kategorien
  • freiwillig das Bundesland
  • freiwillig die Art der Einrichtung
  • freiwillig die Trägerschaft der Einrichtung, also staatlich oder privat

Wer dahintersteht

Hinter diesem Projekt steht eine Person, keine Institution und keine Organisation. Ich bin Lisa Niendorf-Schlüter, Bildungswissenschaftlerin, und trete auf Social Media unter dem Namen FrauForschung auf. Ich beschäftige mich unter anderem mit den strukturellen Problemen des Wissenschaftssystems. 2025 ist dazu mein Sachbuch „UNIversal gescheitert? Wissenschaft und Hochschule zwischen Machtmissbrauch, Leistungsdruck und Ausbeutung: was wir dagegen tun können" erschienen.

Das Projekt ist nicht finanziert und nicht beauftragt. Es gehört zu keiner Hochschule, keiner Förderorganisation, keiner Gewerkschaft und keiner Partei. Es erzielt keine Einnahmen, enthält keine Werbung und verkauft keine Daten.

Kritik, Korrekturen, Presse

Hinweise auf Fehler, Rückfragen von Hochschulen und Presseanfragen richten Sie bitte an kontakt@frauforschung.de. Ich antworte zeitnah und korrigiere Fehler, sobald sie mir bekannt werden.

Kritik an der Methodik ist willkommen und wird hier dokumentiert, wenn sie berechtigt ist.

Wenn Sie selbst betroffen sind

Diese Seite kann Ihnen nicht helfen — aber andere können es. Eine Übersicht über Ombudsstellen, Beratungs- und Beschwerdestellen finden Sie auf der Seite „Hilfe und Unterstützung".